Er steht an meiner L.P.-Wand unter den Großen der Musikgeschichte. Da rechts zwischen Bowie, Debby Harry und Madonna: Ennio Morricone. Er hat dem Genre der Filmmusik eine neue Dimension verliehen. Die Musik wurde führend und die Schauspieler mussten sich mitbewegen.

   

Once upon a Time in the West (Spiel mir das Lied vom Tod) machte einen vernichtenden Eindruck auf mich. Bis dahin hatte ich mit meinen Eltern Cowboyfilme aus den 1950er Jahren gesehen. Ich fand die altbacken: Es gab einen Helden – meistens John Wayne – der kam, um ein Problem in einem Dorf zu lösen. Er hatte zwei Hindernisse zu überwinden: einen Gauner, der anderen schaden konnte, und eine Frau, die sich in ihn verliebte. Der Bösewicht wurde erwischt und der Film endete mit einer weinenden Frau, die ihren Helden zum Abschied winkte. Das Recht hatte wieder triumphiert!

Aber dann Sergio Leones Film: auch ein Kampf zwischen Gut und Böse, aber das Bild war weniger eindeutig: Ein Kind wurde erschossen, die Prostituierte (Claudia Cardinale) hatte ein goldenes Herz und der Ganove hatte stahlblaue Augen – zuvor hatte der Ganove einen ungepflegten Auftritt mit braunen Augen, aber Frank sah auf den ersten Blick gepflegt und sympathisch aus.

Auf dem Filmset von Once upon a time in the West gab es große Lautsprecher. Daraus kam die Musik, die zu den Schlüsselszenen des Films passte: Das große Massaker, Ankunft am Bahnhof, Auf dem Dach des Zuges, Final Dual und Farewell Cheyenne. Die Filmmusik war fertig, bevor die ersten Aufnahmen begannen. Und die Protagonisten hatten ihr eigenes Thema: Jill (Claudia Cardinale), Frank (Henry Fonda), Cheyenne (Jason Robards) und natürlich Harmonica (Charles Bronson).

Unvergessliche Melodien, die Bilder und Gefühle aus der Zeit hervorrufen. Meine Mutter zeigte mir Musicals wie My FairLady und West Side Story in meiner Jugend, meine Kinder stellte ich vor den Fernseher im Alter von vierzehn Jahren und zeigte ihnen Once Upon a Time in the West. Ich sah den grundlegenden Kampf zwischen Gut und Böse in dieser theatralischen und durchdringenden Weise als unverzichtbar in der Bildung an. Wo frühere Generationen ihre Kinder aus der Bibel lasen, die Lektüre von Jip und Janneke und die Lektüre der Bande der roten Zorah und Anne Franks Tagebuch, für Thijs, Cas, Lies, Fleur und Tom, folgte die Lektüre dieses Films.

Ennio Morricone wurde für sein Werk international erst spät anerkannt. Das lag zum Teil daran, dass er kein Wort Englisch sprach. Sein Fokus und sein Leben konzentrierte sich auf Italien. Für diesen Sprachbereich schrieb er den größten Teil der Musik, vor allem für den Fernseher. 2015 erhielt er schließlich seinen verdienten Oscar für Musik bei The Hateful Eight – einem fantastischen Western unter der Regie von Quenten Tarantino. Ist jetzt auf Netflix. Also zuschauen und zuhören!