Es ist Mittwochnachmittag, der 5. Februar, und wir trinken ein Bier im Café ‘België’ in Enschede. Wir reden mit dem Kellner über ein Lied: Er glaubt, die Beatles zu hören, aber es ist Oasis. Wir sagen ihm, dass wir am Freitag zu einem Liam Gallagher Konzert im Ziggo Dome in Amsterdam gehen. Es ist Donnerstagabend, der 6. Februar. Bevor ich schlafen gehe, gehe ich die Nachrichten durch: Liam Gallagher hat sein Konzert in Hamburg wegen Stimmproblemen abgesagt! Müssen wir gehen? Mit dem Auto ist es eine lange Fahrt von Bad Bentheim. Am Freitagmorgen scheint die Sonne üppig und das Konzert ist um 14 Uhr immer noch nicht abgesagt. Wir beschließen, es zu riskieren. Ich steige ins Auto und hole Claude in Almelo von ihrer Arbeit ab und wir fahren nach Amsterdam.

Vor 14 Jahren gingen meine Töchter Lies und Fleur zu einem Konzert der Oasis-Gruppe. Sie waren begeistert, weil diese Britpop-Band der Nachfolger der Beatles sein würde. Ich kannte das weinerliche Lied Wonderwall und wusste  dass der Sänger Liam Gallagher eine Arroganz ausstrahlte, als wäre er die Wiedergeburt Jesu Christi. Nichts für mich, aber nett für meine Jugendlichen. Ich verfolgte Oasis aus der Ferne: die Streitereien, Kämpfe, die Auflösung der Gruppe und die brüderliche Fehde, die auftrat: Liam, der nach Ansicht seines großen Bruders nicht viel mehr tun konnte als zu singen, und Noell, der nach Ansicht seines kleinen Bruders nur ein „arroganter Schwanz“ war. An einem Tag Mitte 2014 zeigte Lies mir auf You Tube ‘Who feels love’: eine originelle Mischung aus den Songs ‘Rain’ und ‘Tomorrow never know’ von The Beatles. Ich habe weiter gesucht und war definitiv überzeugt, als ich ihren Auftritt in Manchester sah: die Begeisterung des Publikums die die Zäune brach, die Unterbrechung des Konzerts durch Liam und natürlich das fantastische ‘Turn up the Sun’. 2017 erschien Liam Gallaghers Soloalbum ‘As you were’: Rock- und Pop-Songs, die die Musikgeschichte der letzten 60 Jahre zusammenfassen, gefolgt von dem noch stärkeren ‘Why Me, Why not’ im Jahr 2019. Wir gingen ihm live folgen – Claude mit Skepsis: 2017 in Barcelona, 2018 in Szigett Budapest, 2019 in Liverpool und jetzt 2020 in Amsterdam?

Um sechs Uhr parken wir unser Auto am Ziggo Dome. Wir werden im Café Baco ein Bier trinken. Es ist voll von Engländer und die Lieder von Oasis und Liam werden mit vollen Brüsten gesungen, während man die Pints trinkt. Im Ziggo Dome sind wir fast vorne. Als Liam auftaucht und ‘Rock and Roll Starr’ singt, explodiert der Dome. Zwei Stunden später sind wir am Ende eines großartigen Konzerts. Liam hat alles gegeben und verabschiedet sich von seinem Publikum auf eigene Faust: Mit seiner Kapuze steht er mit dem Rücken zum Publikum. Er breitet seine Arme damit wir ihn anfeuern können. Er genießt die angenehme Wärme in seinem Rücken. Wenn Sie die Dokumentarfilme ‘Supersonic’ und ‘As it was’ gesehen haben, dann wissen Sie, dass dies kein arrogantes Verhalten ist. Liam ist so unsicher wie jeder andere. Und braucht Liebe und Aufmerksamkeit wie alle anderen. Und das geben wir ihm. Weil er es verdient – so denkt Claude jetzt auch.

Who feels love:

https://www.youtube.com/watch?v=0v2pAIgFJGM