8. Dezember 2020 Google News bietet mir eine personalisierte Nachricht: Der letzte Tag von John Lennon. Nach dem ersten Absatz muss ich aufhören. Ich kann wegen der Tränen nicht lesen. Ich möchte das nicht lesen. Ich möchte ihn in meiner Erinnerung am Leben erhalten: kämpferisch und optimistisch.

8. Dezember 1980 Vor vierzig Jahren. Es ist wie gestern. Wo ist die Zeit geblieben? Bin ich schon so alt? In dieser dunklen Dezembernacht, als bekannt wurde, dass John Lennon ermordet worden war. Menschen auf der ganzen Welt, die mit Kerzen auf die Straße gingen und All you need is love weinend sangen. Manchmal kann ich es immer noch nicht glauben. Warum zum Teufel und warum er?

Ich war 26 Jahre alt. Der Tod war in angemessener Entfernung in mein Leben eingetreten: In Amerika war Kennedy ermordet worden, und meine beiden Großmütter waren Anfang der 1970er Jahre gestorben. Anfang des Jahres verstarb mein fantastischer Großvater Herman. Aber ich war mit einer schönen Frau verheiratet, hatte einen Job als Lehrerin und kaufte gerade ein Haus. Die Welt lag mir zu Füßen und die Zukunft schien hell und endlos.

John Lennons Tod erschütterte meine Seele, mein Sein. Bis dahin hatte ich den kindlichen Glauben, dass ich für eine Weile Kinder haben und dann glücklich leben würde: Obladi Oblada, until I’m 64, wie es in den Beatles-Liedern fröhlich gesungen wurde. Die Willy Brands und das Gute wurden sich in der Welt durchsetzen. Und dann, an diesem tödlichen Tag, wurde John, mein großer Held, von einem Verrückten geschlachtet. Wie zum Teufel war das möglich? In was für einer Welt lebten wir?

April 2008 sind wir mit unserer Familie in New York. Im Central Park besuchen wir Strawberry Fields, das John Lennon Denkmal. Dies ist heiliger Boden. Lies und ich knien nieder. Hier spüren wir Johns Optimismus und Idealismus. Augenblicke später stehen wir vor dem Dakota-Gebäude, Johns und Yokos Wohnung. Der Portier zeigt uns den Ort, an dem er gestorben ist. Wir legen Blumen ab. Lies kann nicht vom Ort weg kommen.

Durch Lies und Fleur fand ich John in Liam Gallagher wieder. Er ist ein Beatles-Fan, selbsternannter Lennon-Adept und mit Yoko befreundet. Seine Performances sind Explosionen von Energie und Zusammengehörigkeit, seine Texte zeugen von Hoffnung und Optimismus:

All I know is I can be, everything I want to be
Life is short so don’t be shy, spread your wings and learn to fly
Soul love, soul love, come into my world
It’s all for you, everything I do, it’s all for you

Thank you for the sun, the one that shines on everyone
Who feels love
Now there’s a million years between my fantasies and fears
I feel love

In Island sind die Lichter des Imagine Peace Tower jetzt wieder erloschen. Jedes Jahr vom 9. Oktober bis 8. Dezember sendet es kilometerlange Lichtsignale aus. Sie symbolisieren Liebe und Optimismus; eine Person kann nicht ohne sie auskommen. Lennon Lives Forever wie Liam singt. John lebt: in Liverpool, in New York, in Liam, in uns.