Jeder Mensch wird konservativ und es gibt kein Entrinnen. Ich werde es Ihnen anhand eines musikalischen Beispiels erklären:

Sie sind in ein völlig unbekanntes Chaos geraten, das als ‘Leben’ bezeichnet wird, und Ihre Eltern sind die einzige Unterstützung. Sie schauen buchstäblich und im übertragenen Sinne zu ihnen auf und sind dankbar, dass sie Sie beschützen und versuchen, Ihre Schuld wegen Ihrer geistigen und körperlichen Unfähigkeit, loszuwerden. Sie bleiben Ihre persönlichen Helden, bis Sie ungefähr fünfzehn Jahre alt sind und Sie allmählich feststellen, dass sie genauso unsicher, faul, eigensinnig, entgegenkommend und gelangweilt sind wie Sie. Ein Jahr später siehst du deine Eltern als dumme Menschen, die in der Vergangenheit gefangen waren, zum Beispiel … weil sie immer noch die gleiche altmodische Musik aus ihrer Pubertät hören.

Die Helden meiner Eltern waren die Befreier und sie brachten Jazzmusik nach Europa. Als ich 1970 16 Jahre alt war, hörte ich am Samstagnachmittag im Radio eine Fußballsendung. Keine Beatles, Stones oder Doors, sondern nervige Fünfzigerjahre-Jazzmusik durch die Fußballblitze. Die Programmmacher bestanden auf dem Musikgeschmack ihrer Jugend; wie engstirnig und konservativ! In den siebziger Jahren hörte ich selber viel Led Zeppelin und AC/DC. Musik aus den sechziger und siebziger Jahren, das war mein Standard; nein, der absolute Standard. Nach den Sex Pistols musste ich aufgeben, weil meine Söhne Ben und Thijs geboren wurden, es musste ruhe im Haus sein und das Radio und die Kassette gingen aus. Jetzt bin ich also im Ruhestand und kann ich mich Erwachsener nennen, oder nicht? Ich bin Historiker und Sie werden jetzt erwarten, dass ich mit 65 Jahren zugeben kann, dass mein Musikgeschmack relativ ist und dass seit den 1980er Jahren neue Maßstäbe eingeführt wurden, die mit der Musik meiner jüngeren Jahre verglichen werden können. Und hier irren Sie sich:

DAS KANN ICH NICHT!

Meiner Meinung nach befinden wir uns immer noch in den musikalischen Ausläufern der sechziger und siebziger Jahre. In den achtziger Jahren kam die pessimistische ‘Thatcher-Musik’ von The Cure. In den 1990er Jahren brach der Rap endgültig durch: es wurde nicht gesungen, sondern geredet und Frauen wurden ‘Sklaven und Schlampen’. Dann mussten wir die niederländischsprachige Musik umarmen und mit dem Geräusch von relnicht Joling sabbern. Wenn ich nur seinen Namen eingebe, zittere ich. In diesen Tagen ist der Musikvideo wichtiger als die Musik selbst. Es gab natürlich Ausnahmen: U2, Oasis, Placebo, The Cult, The Slaves und derzeit niederländische Bands wie My Baby und DeWolff. Und …: kein Coldplay ohne die Beatles. Alle Gruppen, die der Musik der sechziger und siebziger Jahre verpflichtet sind. In der kommenden Zeit werde ich Ihnen sehenswerte Videos zeigen, die meinen geschmackvollen Konservativismus unterstreichen.

Übrigens: …. DeWolff tritt am 27. März im Metropool Hengelo auf: Tickets sind noch erhältlich!

DeWolff Live: https://www.youtube.com/watch?v=qqBcl71tkGk

P.S.: Sie können meinen konservativen Musikgeschmack auch an der Rückwand unserem Wohnzimmers lesen, die mit LP-Covers bedeckt ist.