Die Nonne blickt über die Köpfe ihrer Ankläger auf den Kreuzweg Christi,
der auf die Bentheimer Sandsteinmauer gemalt ist. Sie tröstet sich mit
dem Bild Jesu, der sich demütig die Anklagen von Pontius Pilatus anhört. Ihr
wird unkeusches Verhalten vorgeworfen, obwohl sie nur über Alltagssorgen
mit einigen Männern aus dem Dorf gesprochen hat: eine gescheiterte Ernte,
wieder ein totgeborenes Kind, die drückende Kirchensteuer. Sie schaut dem
Inquisitor in dem Augenblick in die Augen, als dieser sagt: ,,Sie haben Schuld
an der Entweihung der Klosterregeln und zeigen keine Reue. Deshalb werden
Sie verurteilt, in der Klostermauer eingemauert zu werden, bis der Tod folgt.”
Zwei Tage später wird das Urteil vollstreckt. Die Gebete aus der Mauer hören
nach einigen Tagen auf, aber der Geist der Nonne wandert bis heute im und
um Haus Singraven.

   Anfang des 15. Jahrhunderts wird das erste Gebäude aus Bentheimer Sandstein
in einer Schleife der Dinkel, die so einen natürlichen Graben darstellt,
erbaut. 1505 nahm ein Oldenzaaler Kloster das Haus in seinen Besitz und
10 Jahre später kaufte der Graf von Bentheim das ganze Landgut. Er weiß es
zu schützen gegen die Kriegsgewalt des Dreißigjährigen Krieges. Aber ein
Fluch ist über das Gebäude und die Umgebung gekommen; der Geist der
Nonne erschreckt Leute bei der Mühle und bringt den Bewohnern des Hauses
Unglück. Viele verkaufen ihren Besitz aus Geldmangel und manch Adliger
stirbt einsam zwischen leeren Alkoholflaschen. 1878 steht der Besitzer
des Hauses Singraven, Hendrik Jan Bernard Roessingh Udink, in Flammen,
als er sich eine Zigarre anzündet. Man wirft ihn brennend in die Dinkel. Einige
Tage später stirbt er jedoch an seinen Verbrennungen. Haus Singraven
bekommt den Spitznamen „Das Schwarze Haus”.

   In den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts steht ein Reporter des
Radioprogramms „Das schwarze Loch” mit zwei Paragnosten (Zeugen; eine
Art Hellseher) am Eingangstor des Landgutes Singraven. Da läuft es beiden
Männern kalt über den Rücken. Einer sagt sofort, dass hier ein tragischer,
religiöser Konflikt stattgefunden habe. Nymphenartige Figuren erscheinen
im Garten. Das Tor öffnet sich . . . (Hören Sie weiter auf You Tube: Spookkasteel
Sinegrave)

Bentheimer Sandstein und die Vechte – Touchscreen Bentheimer Sandsteinmuseum 

Zeichnung Manfred Flucht – Text Ruud Brilleman