Ansgar konnte nicht schlafen. Er war durch das laute Klopfen im Bett der Elternkiste neben ihm geweckt worden. Was machten sie dort? Seine Gedanken wanderten zu diesem Nachmittag. Sein Großvater hatte ihn in den Krähenwald gebracht. Er hatte ängstlich zu den Dolen aufgeschaut, die um ihre großen Nester kreisten. Und plötzlich standen sie vor einem großen Stein. Opa hatte ihn gefragt, ob er wisse, wofür dieser Stein sei. Mit einem mysteriösen Lächeln erzählte er, dass Babys aus dem Stein geboren wurden. Der Stein klappte dann einfach hoch, damit der kleine Junge darunter hervorkriechen konnte. Ansgar hatte sofort an dem Stein gezogen, aber er steckte fest im Boden.

Das Gramsberger Wäldchen ist 500 Jahre alt. Es hat 2 Hügel: Der alte Pferdefriedhof bildet heute die Tribüne des Freilufttheaters. Der zweite Hügel ist der Geburtsstein von Bentheimer Sandstein. Mit dem Aufkommen des Christentums trat das Sprechen über Sexualität in die Tabusphäre ein: Das Fleischliche wurde lenkte nur vom Höheren, Geistigen und Göttlichen ab. Alle Arten von Geschichten wurden erfunden, wie die Geburt aus dem Grünkohl und der Paketdienst des Storchs. Die Geschichte der Geburt aus einem Stein spielt sich hauptsächlich in Nordeuropa ab. In diesen Regionen waren die meiste Geburtssteine gemacht von skandinavischen Felsbrocken erhalten aus der letzten Eiszeit . In Gramsbergen wurde ein Bentheimer Sandstein verwendet. Vielleicht fiel es aus einem Sumpf, der das Bentheimer Gold von Nordhorn nach Zwolle über den wenige hundert Meter entfernten Fechte Fluss transportierte.

Vater und Mutter schwiegen plötzlich. Ansgar wollte jetzt wirklich schlafen, weil er morgen früh seiner Mutter auf dem Land helfen musste. Er konnte sie nicht fragen, ob die Geschichte des Großvaters wahr war. Er hatte schon einmal gefragt, woher die Babys kommen, und dann wurde sie wütend. Morgen Nachmittag würde er alleine zu dem mysteriösen gelblichen Stein gehen. Vielleicht konnte er mit eigenen Augen sehen, wie ein Baby aus dem Felsen krabbelte!

 

Zeichnung Manfred Flucht – Text Ruud Brilleman

Bentheimer Sandstein und die Vechte – Touchscreen Bentheimer Sandsteinmuseum